Aufschreien gegen Sexismus


4.02.2013 18:08

Anonym


Als Studentin glaubte ich, einen Seelenverwandten gefunden zu haben, einen Freund, der ebenfalls schwere Erfahrungen durchgemacht hatte, wenn auch nicht wie ich mit Sexismus, Missbrauch und Gewalt. Aber irgendwann dachte ich, ich könne ihm vertrauen und erzählte ihm so einiges von meinen Erfahrungen. Als wir uns das nächste mal trafen, fing er an, mich sexuell zu bedrängen. Ich war entsetzt, nach dem, was ich ihm anvertraut hatte! Er (Intellektueller, links ...) war erstaunt und meinte nur, gerade nach dem, was ich erlebt hätte, wäre ich doch "so einiges gewohnt" und deshalb "härter im Nehmen". Meine Missbrauchserfahrung interpretierte er so, ich hätte ja "schon recht früh 'damit' angefangen", woraus er für sich nun Rechte ableitete. Mir wird heute noch, nach einigen Jahren, übel, wenn ich nur daran denke. Dieser ungeheure Vertrauensbruch. Wenn überhaupt, äußere ich mich deshalb nur noch anonym, und selbst das kostet mich Überwindung. Ich habe einfach Angst, dass ich in dem Moment, in dem ich identifizierbar von einer Opfersituation berichte, den nächsten dazu einlade, sich ähnlich zu verhalten (nicht nur Männer). So eine Art "Broken-Window"-Effekt: Wo schon etwas kaputt ist, kann man ja ruhig noch mehr kaputthauen. Also schäme ich mich und bin gleichzeitig wütend wegen meiner (unsinnigen) Schamgefühle ... und erlebe, wie sich keiner von denen, die sich so unsäglich benehmen, mit Scham- oder Schuldgefühlen herumschlägt.


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