Aufschreien gegen Sexismus


4.02.2013 16:52

Fasnachtsumzug: Ausrede für ausgelebten Frauenhass


Gestern in Tirol: zahlreiche Fasnachtsumzüge mit allerlei archaischen Figuren - vom Bär, der den Winter besiegt, bis zu Zotteler, Spiegeltuxer und weiteren beeindruckenden Allegorien. Natürlich ist schon allein der Gedanke, dass unter den Maskeraden eventuell auch eine Frau stecken könnte, nicht erlaubt - nein, die Frauen sind das schmückende und lästige Arbeiten rundherum erledigende Beiwerk. Die nähen die Verkleidungen, schenken den Glühwein aus und tragen danach die hackedichten Männer heim. Die Männer ziehen mit Traktoren die verschiedenen Wägen vorbei – darunter ein Wagen mit der "Weibermühle": eine Mühle, in der anstatt Mehl zu mahlen, hässliche, alte Frauen zu jungen, hübschen verwandelt werden. Auch hier werden selbstverständlich mit größter Wonne alle Figuren von Männern gespielt - die "Müller", die hässlichen, alten Frauen und die jungen selbstverständlich auch. Während eine hässliche, alte Frau in die Mühle gestopft wird, greifen ihr die "Müller" unter Gejohle der ZuschauerInnen zwischen die Beine, der "Ehemann" hilft mit seinem Stock an ihrem Hintern nach. Auf der anderen Seite der Mühle kommt sogleich eine junge, hübsche Frau heraus, die vom Gatten z. B. mit den Worten "Die nehm' ich!" empfangen wird.
Ein Teil der Fasnachtsumzüge hat sicher einen gewissen kulturellen Wert, der über Generationen weitergetragen wurde – die Weibermühle zähle ich aber nicht dazu. So, wie diese Mühle präsentiert wird, reproduziert sie nur, was in der Gesellschaft ohnehin passiert: Mit Frauen wird wie mit Gegenständen verfahren, man nutzt sie für die eigene (sexuelle) Belustigung und zur Schau Stellung, ist sie hässlich, tauscht man sie um.


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