Aufschreien gegen Sexismus


18.12.2013 11:32

anonym


Als ich auf eine Freundin einmal wartete, kamen etwa 10 Jungen auf mich zu, machten mich an.
Das Gespräch wurde härter, ich wütender. Ich kann mich nicht zusammenreißen. Es ging um Politik und die Rolle der Frau. Ich wurde von einem angespuckt, er wollte mich schlagen, doch seine Freunde hielten ihn zurück. Ein anderer drehte sein Messer in seiner Hand, er wollte uns Angst machen. Ich verstand erst danach, weswegen sie so wütend wurden. Eine Frau traut sich mit ihnen zu sprechen wie ein Mann. Und noch schlimmer: eine Frau ist intelligenter. Das konnten sie nicht ertragen.

Ein anderes Mal wurden mir Schläge von einem Fundamentalisten angedroht. Ich war wütend, betrunken, er beleidigte mich und sagte: „Wäre ich kein Türsteher, würde ich dich zusammenschlagen“. Keiner half mir und meiner Freundin. Niemand sagte ihm, dass die Scharia frauenfeindlich sei und hat mir recht gegeben. Ich glaube, sie hatten Angst. Und die Angst wurde schlimmer, als der Türsteher die Bullen rief. Seine Freundin, die ihn auch noch in seiner Frauenfeindlichkeit verteidigte, hielt seine Hand. Doch Männer in Uniform ertrug ich zu diesem Zeitpunkt nicht und beleidigte dann auch diese. Sie ließen mich gehen, nichts geschah, es grenzte an Ignoranz. Hätten sie sich diese Anfeindungen auch von einem Mann gefallen lassen?

Als ich eines Nachts mit einer Freundin auf den Bus wartete, riss ein Fremder plötzlich mein Gesicht hoch und steckte mir die Zunge gewaltsam in den Mund. Ich konnte nur in seinen Kehlkopf drücken, sah sein Gesicht nicht, hörte nur sein Lachen, als er in den Bus einstieg. Das Mädchen neben mir interessierte das nicht. Als ich es anderen erzählte, sagte eine Freundin, dass es cool sei, dass gerade so viele Jungen auf mich stehen. Eine andere meinte, dass ich eben mit den falschen Typen abhänge. War es denn meine Schuld?

Ein paar Jahre früher, als ich sechzehn war, tranken wir viel auf einer Schulreise. Zwei Jungen fingen an mich anzufassen auf dem Sofa. Ich bekam kaum etwas mit. Zwei andere mussten mich erst raus ziehen. Die Mädchen halfen nicht. Ich realisierte die Situation lange nicht. Heute ist es zu spät, kaum jemand erinnert sich daran. Mir bleibt nur der Hass und die Frage, was geschehen wäre, wenn niemand eingegriffen hätte. Ich war machtlos. Ich fühlte mich dreckig, beschmutzt, wertlos.
Wie damals, als ich mit dreizehn Jahren, vollkommen unzurechnungsfähig, von einem 17-jährigen Jungen geknutscht wurde.
Ich habe mich stärker in linken Kreisen aufgehalten. Da lehnten die Menschen wenigstens theoretisch Sexismus ab. Auch wenn sich viele Mädchen als Fotzen beleidigten. Ich war ziemlich naiv, weil ich glaubte, hier ginge es nicht nur um Sex. Ich sprach oft mit Männern über Marx, Kapitalismuskritik und Rassismus. Wie einig wir uns doch waren: die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wollen wir ausrotten. Die Unterdrückung, das Ausnutzen des/der einen durch den/die andere/n. Doch nach Diskussionen wurde ich direkt gefragt, ob ich zu ihm nach hause kommen will. Und das ist noch charmant ausgedrückt. Mir wurde auch von einem Kommunisten gesagt, dass ich schön in seinem Whirlpool aussehen würde. Der zwanglose, freie Sex wird zelebriert. Wir Frauen werden oft ausgetauscht. Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment? Es schien wie eine Satire. Ich bin und bleibe ein reines (Sex-)Objekt für die meisten. Und ich bin weder besonders schön noch aufreizend. Es liegt nur an meinem Geschlecht.

Viele Männer erhoffen sich, dass nur weil ich verballert tanze, einfacher zu haben bin. Dass ich nicht mehr nein sage. Allerdings werde ich nur schneller sauer und vergebe nicht mehr so einfach! Ernsthaft: selbst wenn eine Frau ja sagt, weiß ein Mann nie, ob sie das im vollen Bewusstsein tut und es nicht bereuen wird. Das kann nur einem Mann unwichtig sein, wenn die Frau ihm unwichtig ist. Wenn sie für ihn einen Gegenstand darstellt. Selbst wenn mein Sofa sprechen könnte, was interessiert mich, was es sagt?


(Eintrag als thematisch unpassend melden)

Links

Ressourcen