Aufschreien gegen Sexismus


19.11.2013 1:43

Miri


In der 10. Klasse sollten die Schüler/innen ein Praktikum machen. So kam es, dass ich Bewerbungen schrieb - auch mal am Wochenende bei meinem Großvater, mit dem ich mich sonst immer gut verstand. Er wollte sich, als ich fertig war, mal anschauen, was ich geschrieben habe. Und teilte mir dann, freundlich gemeint (aber dennoch nicht besser) mit: "Die Anrede solltest Du noch dringend ändern! 'Sehr geehrte Damen und Herren', das geht doch nicht, das ist viel zu lang! Die Anrede richtet sich doch nur an den Chef, also schreib 'Sehr geehrter Herr!', das reicht." Das Geschlecht des/der Verantwortlichen war übrigens zu dem Zeitpunkt nicht bekannt. Zum Glück bin ich bei meiner eigenen Formulierung geblieben, denn es war tatsächlich - trotz dem Klischee nach eher "Männerberuf" - eine Frau. Die hätte mich, hätte ich wirklich nur "Sehr geehrter Herr!" geschrieben, wohl eher nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Auch bei anderen älteren Menschen habe ich einige Male erlebt, dass sie gewohnheitsgemäß sexistische Denkweisen besitzen und diese auch kaum loswerden. Wenn ich bei der Familie meines Freundes eingeladen bin und es Familienfeiern gibt, sehe ich es auch immer wieder. Die Frauen werkeln in der Küche und decken den Tisch, die Männer räumen Tischen und Stühle herum. Wenn zum Aufstellen der Möbel aufgerufen wird, heißt es auch immer "Wir brauchen jetzt mal ein paar starke Männer!" Wenn ich mich dann melde, reagieren alle irritiert. Dabei nehme ich an, solche körperlichen Arbeiten noch besser hinzubekommen, als der körperlich eingeschränkte 80-jährige Großonkel mit Krücken. Aber auch dem traut man das wohl eher zu, als mir - weil er ein Mann ist. Aus diesem einzigen Grund.


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