Aufschreien gegen Sexismus


7.07.2013 14:04

feminheart


Gestern war ein heißer Tag. Ich habe mir ein ärmelloses Top (ohne Ausschnitt!) angezogen und einen knielangen Rock. Dann bin ich auf den Flohmarkt und zum Einkaufen gegangen. Auf dem Flohmarkt wurde ich zweimal von jemandem im Gedränge an den Armen begrapscht. Nein, kein flüchtiges Vorbeistreifen, sondern ein mehrere Sekunden währendes Halten meines Oberarmes. Ich drehte mich um, aber es waren zu viele Leute, um den Grapscher (oder die Grapescherin) auszumachen. Später im Supermarkt wollte ein älterer, kleiner Mann an mir vorbei. Statt mich freundlich zu bitten, legte er seine Hand fest an meine Taille und schob mich beiseite, um dann schnell zu verschwinden.
Mit Jeans und Pullovern passiert mir so etwas nie. Ich bin also selbst schuld, weil ich SOVIEL nackte Haut zeigen musste und damit die Männer (oder Frauen) derart gereizt habe, dass sie sich nicht beherrschen konnten. Ich twitterte meine Erfahrung unter #aufschrei. In der Folge bekam ich weitere Belästigungen, Beleidigungen, etc. zu lesen. Das Übliche eben. Frau gewöhnt sich daran. Ich will mich aber nicht daran gewöhnen!
Um mir genau solche psychische Belastung durch feige Internet-Trolle zu ersparen, habe ich lange Zeit meine Erfahrungen anonym auf der Seite alltagssexismus.de aufgeschrieben. Die Betreiberinnen der Seite haben es auf sich genommen, die Trolle von mir (und allen anderen) fernzuhalten. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Irgendwann in dieser Zeit von #aufschrei war ich stark genug, mir zumindest einen anonymen account auf Twitter anzulegen. Dank der feministischen Gemeinschaft halte ich die Troll-Kommentare nun aus, auch wenn ich noch nicht unter meinem echten Namen schreibe. Aber ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich auch dazu in der Lage bin. Der Tag, an dem ich meinen Feminismus leben kann, auch wenn ich dafür beleidigt, verfolgt, bedroht und klein gemacht werde.
Und ich habe einen Traum: Dass der Tag kommt, an dem es keinen Feminismus mehr geben muss, weil alle Menschen Feministinnen und Feministen sind, weil Männer und Frauen gleichberechtigt sind und sich gegenseitig achten.


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