Aufschreien gegen Sexismus


Wofür diese Seite gut ist

Hier werden Erlebnisse zu Sexismus, Homo-, Queer- und Transfeindlichkeit und zu Rassismus, Klassismus und Ableismus, den Frauen erleben, gesammelt. Das können Kleinigkeiten sein, die sich wie Alltag anfühlen oder sexualisierte Übergriffe und Gewalt, Sachen, die euch lähmen oder aufregen, die euch nerven oder stören. Beschreibt sie so lang oder kurz, wie ihr wollt — gerne anonym. Sexismus ist keine Bagatelle, sondern ein ernsthaftes Problem, das wir nicht akzeptieren wollen.

Eure Geschichten helfen, darauf aufmerksam zu machen:


Triggerwarnung: Im Folgenden finden sich Beschreibungen sexualisierter Gewalt, die nicht eigens gekennzeichnet sind.

10.04.2013 21:14

M.


Meine Freundin, die sagt, dass Vergewaltigung nicht schlimmer als jede andere Gewalttat sei. Es ist sehr wohl schlimmer, weil es nicht nur ein Angriff auf die körperliche Unversehrtheit ist, sondern eine Reduzierung aufs körperliche Geschlecht mit einhergehender Demütigung. Ich würde dann gerne sagen "Das kannst du nicht beurteilen, weil es dir noch nicht passiert ist!", habe dann aber Angst, sie könnte sagen, ich würde hier mal wieder die Mitleidskarte spielen (als Betroffene). Toll.

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10.04.2013 19:05

Reifenmontage


Ein Reifenmonteur in Rockenhausen (Donnersbergkreis) hat in seinem engen, kleinen Büro nicht nur ein überdimensionales Nacktposter hängen, an dem kein Mensch vorbeikommt, ohne das ansehen zu müssen, er ist auch noch extrem herablassend zu Frauen.

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10.04.2013 18:59

Handwerkerin


Die Firma Stihl und ihre "Mädchenkalender", die angeblich von vielen, vielen Kunden verlangt werden.

Frauen werden in den Kalendern halbnackt oder nackt mit Geräten der Fa. Stihl dargestellt. Die Frauen werden als "Mädchen" bezeichnet, Gelobt wird die wunderschöne Natur, in der die jungen "zarten Wesen" abgelichtet werden.

Frauen sind also nackig und willig, wenn sie im Garten arbeiten, mit Geräten und Maschinen schaffen oder Holz spalten...was eh schon ein Unding ist, aber überlegt mal, was diese Bilder in Kinderaugen transportiert!!! Das ist unverantwortlich.

Ich hatte mich bei der Firma beschwert, aber die finden, dass das nichts Schlechtes sein kann, wenn das so viele eben wollen!

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10.04.2013 16:43

Jurastudentin


Zu dem Beitrag der Nachrichtenhörerin fällt mir gleich ein: Die Abschaffung von § 217 StGB, der die Kindstötung gleich nach Geburt durch die Mutter dem "normalen" Totschlag gegenüber priviligiert, also milder bestraft hat. 1998 wurde dieser Paragraph ersatzlos gestrichen, sodass auch die Tötung eines_r Neugeborenen als regulärer Totschlag - oder, wie vom LG Magdeburg 2008 entschieden und vom BGH (also der höchsten gerichlichen Instanz in D) bestätigt, sogar als Mord aus niedrigem Beweggrund bestraft wird. http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/4/08/4-352-08.php
Als dieses Urteil in einer AG in der Uni besprochen wurde, war ich die einzige, die darin einen Zusammenhang mit Geschlechterdiskriminierung sah. Auf meine kritische Nachfrage an den AG-Leiter meinte er nur, er sei nicht der Meinung, dass das was mit Sexismus zu tun habe. Nein, natürlich nicht, kann einem Mann genauso passieren, dass er nach einem Diskobesuch, bei dem er ungeschützten Sex mit jemandem hatte, ungewollt schwanger wird, Angst um seine Existenz, seine Zukunft, seine Beziehung hat, mit allem überfordert ist und deshalb sein Kind nach der Geburt einfach irgendwo liegenlässt, wo es dann stirbt und er dafür für 15 Jahre in den Knast geht. Klar.

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10.04.2013 11:31

Anonym


Dass immer noch Kinder oder Jugendliche im Spaß, zum Beispiel wenn sie gekitzelt werden oder sie sich untereinander im Spiel kabbeln, rufen: "Hilfe, ich werde vergewohltätigt!"

Unfassbar! Wo haben sie das her? Wer hat DIESES Wort erfunden?

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10.04.2013 9:47

Wohnungssuchende


Wohnungsanzeigen vom Samstag in einer großen Tageszeitung: „Alleinerziehender Vater sucht Wohnung…“ und „Berufstätige Mutter sucht Wohnung…“
Reaktionen bei Vermieter/innen: „Dem arme Vater muss geholfen werden. Bestimmt hat er einen anstrengenden Job und dann noch die Kinder…“ und „Die Mutter will ich nicht hier haben. Die hat wahrscheinlich einen 400-Euro-Putzjob und ist total asozial…“
In der gleichen Zeitung etwa 10 alleinerziehende Mütter auf einen Vater. Alle Mütter geben an, dass sie berufstätig sind, weil sie sonst eh keine Chance auf eine Wohnung haben. Der Vater hingegen weiß um die bemitleidenden und bewundernden Gefühle, die er als alleinerziehender Mann bei anderen auslöst und nutzt das natürlich aus.

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10.04.2013 9:20

Zeitungsleserin


Gestern in der Zeitung: der firmeneigene Hort einer mittelständischen Firma wird vorgestellt und die Firma dafür gelobt. So weit, so gut. Dann das Foto dazu: Sechs Männer aus dem Vorstand der Firma, und eine Frau, natürlich die Krippenleiterin.

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9.04.2013 20:33

Anonym


Ca. 1990 Bin in einer Frauenantifa Gruppe. Diskussionen mit der gemischten Antifa.
Es geht um bestehende Gewaltverhältnisse. Einer der Wortführer will uns erklären, worin der Unterschied zwischen Rassismus und Sexismus besteht. Er erklärt uns, dass Rassismus tötet.
Zur gleichen Zeit gab es in der Zeitschrift EMMA eine Auflistung ermordeter Frauen mit der Überschrift: Sexismus tötet. Das kopieren wir auf lila Papier und lassen ihm das zukommen.
Er entschuldigt sich.

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9.04.2013 17:33

Nachrichtenhörerin


Heute wurde eine Mutter verurteilt, die ihre drei Babys getötet haben soll. In den Nachrichten wurde überall von der schlimmen Mutter berichtet. Vom Vater sah und hörte man zumeist nichts. Und wenn überhaupt, dann war er natürlich völlig unschuldig, weil er nichts von den Taten der Mutter gewusst habe. So geht das immer, wenn eine Frau der Kindstötung beschuldigt wird. Die Väter sind unschuldig. Entweder haben sie nichts mitbekommen oder sie hatten sich von der Frau schon zuvor getrennt. Und schließlich sind ja viele Männer ohnehin der Ansicht, die Frau ist selbst schuld, wenn sie das Kind austrägt, obwohl sie (die Männer) es ja nicht wollten. Dass aber ein Mensch (egal ob Mann oder Frau), in dem Moment in dem er ohne Verhütung Geschlechtsverkehr hat, in Kauf nimmt, dass ein Kind entsteht, und dass der Mensch dann auch die Verantwortung für das Kind übernehmen muss, davon wollen viele Männer auch heute noch nichts wissen. So ist der Mann also weiterhin unschuldig, wenn eine Frau ein Kind bekommt und es vor lauter Verzweiflung oder Überforderung tötet. Wie hoch wäre wohl die Tötungsrate, wenn alle diese Frauen ihre Kinder gleich nach der Geburt dem Vater überlassen würden? Wobei die Gesellschaft für überforderte alleinerziehende Väter tatsächlich sehr viel mehr Verständnis hat als für überforderte alleinerziehende Mütter. Wie überall wird auch hier mit zweierlei Maß gemessen.

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9.04.2013 14:50

ChrisBerlin


Mein Schwiegervater aus dem Erzkatholischen Amberg/Moos, der während des Beiseins seines Sohnes sexistische Sprüche mir gegenüber macht.

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9.04.2013 4:20

Anonym


Wenn in der Vorlesung ein Dozent davon spricht, dass "die Menstruation" als eine Krankheit dargestellt und künstlich hochgepusht wird - und ein männlicher Kommilitone den geistreichen Kommentar: "Ja genau! Sollen sich mal nicht so anstellen die Weiber, das bisschen Blut!" von sich gibt...

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8.04.2013 21:20

Anonym


ich habe mir eben mal axe werbung angeschaut, weil ich wissen wollte warum da immer alle dran rummeckern. und ich hab kaum meinen mund wieder zu gekriegt. das schlimmste sind die kommentare. help!

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8.04.2013 16:08

anonym


Ebay mit der Einblendwerbung. Je nach Suche kommt entsprechend sexistische Werbung, wenn ein Mann dahinter vermutet wird.

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8.04.2013 12:25

anonym


der typ der an der bar meint sagen zu müssen: "die XY ist eine Fotze!" ich darauf das will ich nicht hören! er meint nur: "ach bist du auch so eine feministin?". als ob man sich als frau beleidigen lassen müsste und nichts dagegen sagen dürfte.
der bruder von meinem freund, der allen frauen, die er attraktiv findet,hinterherpfeift und dumme sprüche ablässt.

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8.04.2013 11:59

Anonym


Beim Biertrinken mit FreundInnen in der Garage.

Eine Lady will den Wandkalender von März auf April umstellen, sieht nicht sofort, wie das geht (so ein Tageskalender mit Schieber wie in Arztpraxen).

Ein Typ darauf: "Gib ner Frau einen Kaldender zum weiterstellen, schon ist sie überfordert!"

Ich hätte kotzen können. Mir ist nichts zum Kontern eingefallen. Im Nachhinein vlt. sowas wie "Schön, dass du als Mann Kalender weiterstellen kannst, leider hast du dafür keinen Schulabschluss und liegst mit 20 deinem Vater auf der Tasche"... Aber auch blöd, die mangelnde Interlligenz des Typen als Konter-Argument ranziehen zu müssen...

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8.04.2013 4:17

Anonym


Nicht, dass es mir nicht schon oft im Leben passiert wäre, aber es verärgert und verstört mich immer wieder. Ich steige letzte Woche aus dem Auto eines Freundes und hebe in der Bank gegenüber Geld ab, es ist 19.30. Als ich die Bank verlassen will, kommt mir ein betrunkener etwa 35 jähriger Mann entgegen und fast mir an den Busen. Zuerst war ich total perplex, war ich doch dabei mein Geld zu verstauen und vollkommen überrumpelt. Dann sind mir doch noch die richtigen (Schimpf-)Worte eingefallen.
Das erste Mal erlebt im Alter von 12, das letzte Mal letzte Woche. Frauen sind Freiwild, und es handelt sich nicht um Ausnahmen oder seltene Vorfälle!

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6.04.2013 21:47

Anonym


Das es Männern egal ist wie es Frauen nach einer Verhütungspanne (Affaire/ONS) geht und es als selbstverständlich ansehen, dass sie sich alleine um die Besorgung und Finanzierung der Pille danach kümmert. Sie zur Apotheke/Praxis rennen muss, sich im Gespräch für das ausschweifende Sexualverhalten rechtfertigen muss, weil man die Pille ja das ganze Jahr lang nehmen soll (?!?!!!) (auch wenn nicht in Partnerschaft). Sie die Schuld an der Panne trägt. Dazu dann die Hormonkeule, die wirklich schlimmste depressive Verstimmungen auslöst. Und er, macht sich keinen Kopf, ihr eigenwilliges Verhalten nach der Panne kann ja nicht von den Hormonen und dem ganzen Prozedere kommen. Er hat halt einfach das Kondom verloren und sie ist Schuld, wegen ihrer kräftigen Beckenbodenmuskulatur.

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6.04.2013 18:38

Studentin


Als ich im Sommer auf dem Weg zur Uni an einer Bahnhaltestelle saß (Wochenende, hellichter Tag) und ein Spiel auf dem Smartphone spielte, dachte ich erst, der Mann neben mir würde mir quasi über die Schulter beim Spiel zugucken. Bis ich merkte, dass sich seine Hand in der Hose bewegte und ich nochmal richtig hinschaute: ja, er hat masturbiert. Ich bin erschrocken, aber stumm aufgestanden und so weit weg gegangen, wie es nur möglich war, ohne die Bahn zu verpassen.
In der Bahn habe ich dann gebetet, dass sich niemand neben mich setzt, denn dann hätte ich womöglich geschrien. In der Uni bin ich in die hinterste Ecke der Bibliothek gegangen um mich zu beruhigen, Dann ging es langsam wieder. Bei dem Gedanken daran, was der Mann sich gerade vorgestellt haben muss, mit mir zu tun, fühlte ich mich irgendwie mental vergewaltigt.

Was mich alles geärgert hat:
1. dass ich nichts getan habe. Ich hätte ihn mit dem Handy fotografieren können. Ich hätte die beiden quatschenden Frauen neben mir warnen können. Ich hätte ihn ansprechen oder anschreien können. Ich hätte vermutlich auch die Polizeit rufen können, auch wenn er sein Glied nicht ausgepackt hat. Aber ich hatte solche Angst, dass er eventuell gemerkt hat, dass ich es bemerkt habe und er dann irgendwas tut, um mich mundtot zu machen.
2. dass ich mich auf dem Weg zur Uni, auch Tage später noch, immer wieder gefragt habe, ob es an meinem Outfit lag. Es war ein heißer Tag und ich hasse es, im Dekolletee zu schwitzen, also hatte ich ein sehr weit ausgeschnittenes Top und einen knielangen Rock an. Mein Verstand hat immer gesagt, dass es nicht meine Schuld ist, aber mein Gefühl hat mir gesagt, dass der Typ sich von meinem Ausschnitt angemacht gefühlt haben muss.
3. dass ich nur darüber nachgedacht habe, zur Polizei zu gehen, den Mann zu beschreiben. Vielleicht wohnt er ja in der Nähe der Haltestelle? Vielleicht haben ja auch schon andere Frauen ihn angezeigt und die Masse der Beschreibungen kann zu einer Festnahme führen? Vielleicht kann ich so verhindern, dass er in Zukunft andere Frauen belästigt? Aber dann kam die Vorstellung, wie ich der Polizei beschreibe, was passiert ist, und von den (in meinem Kopf durchweg männlichen) Polizisten ausgelacht werde, oder nur etwas zu hören bekomme, dass das kein Verbrechen sei oder das nicht ausreichen würde, um jemanden polizeilich zu suchen.

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6.04.2013 15:16

Anonym


Ich, Akademikerin, gebe ein Essen, zu dem ich Kollegen (in meinem Bereich arbeiten fast nur Männer, von denen ich fachlich voll anerkannt bin) mit ihren Partnerinnen einlade, die Frauen kenne ich flüchtig. So deutlich wie an diesem Abend habe den Druck, den teils recht aggressiven "Abwärtssog", der von vielen Frauen ausgeht, noch nie erfahren: Ich musste den ganzen Abend darum kämpfen, mich an den Fachgesprächen der Männer (meiner Kollegen) beteiligen zu können, was die Männer auch wollten, während die Frauen ständig versuchten, eine "Frauengruppe" mit "Frauenthemen" (Kinder, Kochrezepte u.ä.) zu bilden, in die sie mich fast schon gewaltsam hineinziehen wollten. Eine fragte mich sogar einmal mit deutlich aggressiver Attitüde nach einem Rezept für Käsekuchen (!), als ich mit den Kollegen gerade einen Fachbeitrag in einer Zeitschrift diskutierte ... (mein entgeistertes "Käsekuchen?????" mitsamt passendem Blick als einzige Antwort in Richtung auf das Damenkränzchen blieb dann unter den Herren noch eine Zeitlang der running gag ...)

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6.04.2013 14:25

Anonym


Bin vor 15 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten - und weiß seit letzter Woche auch wieder genau, warum. Da bin ich während eines Besuchs in Berlin aus Interesse mal in eine schöne Klosterkirche hineinmarschiert. Und stand sofort vor einem sogenannten "Rosenkranzaltar", auf dem die "Gottesmutter" einem verzückt zu ihr aufschauenden Mönch einen Rosenkranz reicht, während der Jesusknabe einer mit gesenktem Blick demütig zu seinen Füßen knienden Nonne eine Dornenkrone aufdrückt. Alles klar, gelt? Vor diesem Altar stehen natürlich Bänke, zur Meditation ... -Jungs, setzt euch eure Dornenkronen doch einfach selbst auf!

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