Aufschreien gegen Sexismus


Wofür diese Seite gut ist

Hier werden Erlebnisse zu Sexismus, Homo-, Queer- und Transfeindlichkeit und zu Rassismus, Klassismus und Ableismus, den Frauen erleben, gesammelt. Das können Kleinigkeiten sein, die sich wie Alltag anfühlen oder sexualisierte Übergriffe und Gewalt, Sachen, die euch lähmen oder aufregen, die euch nerven oder stören. Beschreibt sie so lang oder kurz, wie ihr wollt — gerne anonym. Sexismus ist keine Bagatelle, sondern ein ernsthaftes Problem, das wir nicht akzeptieren wollen.

Eure Geschichten helfen, darauf aufmerksam zu machen:


Triggerwarnung: Im Folgenden finden sich Beschreibungen sexualisierter Gewalt, die nicht eigens gekennzeichnet sind.

16.04.2013 2:48

Ich, ein Mann


Ich habe mich die Tage mit meiner Partnerin über unsere Zukunft unterhalten. Wir stehen beide kurz vor dem Bachelor und überlegen gerade beide, wie es weitergeht. Wir würden beide gerne einen Master machen. Sie kann sich vorstellen, danach einen Doktor zu machen, für mich ist der Weg in die Wissenschaft eher keine Option.
So weit so gut. Dann fragte sie mich verunsichert, ob ich kein Problem damit hätte, wenn sie einen höheren Titel hätte als ich und eventuell auch mehr verdienen würde.
Nein. Habe ich nicht. Warum auch? Solange sie mit ihrem Weg glücklich wird und ich mit meinem glücklich werde, ist doch alles in Ordnung. Trotzdem habe ich schlucken müssen...

Eintrag als thematisch unpassend melden

15.04.2013 15:19

Alles-Könner-Mütter


Immer wieder beim Baumarkt: "Power-Abend für Frauen: Laminat-Verlegen, Umgang mit Elektrogeräten,..."
Geht's noch? Meine neunjährige Tochter kann jetzt schon besser mit der Bohrmaschine umgehen als ihr Vater!
Wie wär's statt dessen mit einem Angebot im Kindergarten: "Power-Abend für Männer: Kinder ans Wetter angemessen anziehen, Wie erkenne ich wenn mein Kind hungrig ist, ..."

Eintrag als thematisch unpassend melden

15.04.2013 12:06

Schülerin


Während dem Unterricht fangen zwei offensichtlich vertrottelte Typen aus meiner Klasse an herumzuschreien : Femina servi sunt !!!
Auf deutsch : Frauen sind Sklaven
Was soll die scheiße !! -.- die stolzen Teutonen meinen das im Ernst . Wie vertrottelt kann man sein ? Ich werde wütend was sie umso lustiger finden und weitermachen.

Eintrag als thematisch unpassend melden

15.04.2013 10:14

Anonym


Party am letzten Wochenende. In einer politischen Diskussion (die ich stets sachlich führe) habe ich eine Meinungsverschiedenheit mit einem gleichaltrigen 30-Jährigen. Als ihm die Argumente ausgehen, steht er empört auf und sagt zu meinem Freund "Zügel mal Deine Freundin!" Aha, in letzter Instanz ist der Mann für seine "Frau" zuständig, wenn sie ungehorsam und politisch wird, soso.

Eintrag als thematisch unpassend melden

14.04.2013 20:51

Lena


Mein Lehrer, der mir seine Hand auf den Po legte und ordentlich zudrückte. Nachdem ich seine Hand weg geschlagen hatte und ihn gefragt habe, was das soll, sagte er, ich solle mich nicht so aufregen, er wollte mir doch nur die Stiegen rauf helfen.

Die Angst, dass keiner mir glaubt- ein hübsches Mädchen provoziert es ja, wenn sie im Mini rumläuft.

Eintrag als thematisch unpassend melden

14.04.2013 17:25

Studentin, 25


Ich stehe im überfüllten Bus nahe der Tür. Der Busfahrer fragt mich (bevor er die Bustüren schließt), ob mein "Hintern auch drin" sei.

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 23:14

Gunter Sachs...


...über dessen Leben z.B. gerade im SPIEGEL berichtet wurde. Von allen anderen schrägen Sachen bzgl. seiner Person abgesehen, finde ich folgendes bemerkenswert: nachdem er als junger Mensch zwei Schicksalsschlägen ausgesetzt war (seine Frau und sein Vater sind ums Leben gekommen), hat er seinen kleinen Sohn zu seiner Mutter gebracht und ist in die Berge gefahren. Als er wiederkam, wurde er von allen als ernster und verantwortungsvoller beschrieben und hat Anerkennung bekommen. Auch, weil er ja plötzlich auch verantwortlich für ein großes Unternehmen war und sich dieser Aufgabe gestellt hat (mehr oder weniger).
Ich stelle mir kurz vor, mit welchen Reaktionen eine Frau hätte rechnen müssen, die das gewagt hätte: sie hätte als selbstsüchtig und als Rabenmutter gegolten, weil sie ihr Kind weggibt (das gerade den anderen Elternteil verloren hat), um sich auf einen Egotripp in die Berge zu begeben und sich dann in Arbeit zu stürzen. Das war in den 50ern oder 60ern. Ist es heute anders?

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 23:05

Geschlechtswerdung...


...fängt u.a. bei Tapeten an: ich kenne mindestens zwei Paare, deren männliches Kind Tapeten mit Rennautos hat. Einer hat ein Rennauto als Bett. Ein weiteres männliches Kind hat ein Zimmer in den Farben seines (des Vaters!) Lieblingsfußballvereins, das Mädchen alles in rosa. Alle tun so, als würden die Kinder das so wollen. Mich macht das ratlos. Und wütend.
Auch kenne ich Leute, die ihren Sohn bereits im Säuglings- bzw. Kleinkindalter "kleiner Mann" nennen. Von "kleine Frau" habe ich noch nichts gehört - davon abgesehen, dass ich beides furchtbar finde.
Außerdem gibt es zwar "Familienväter", aber keine "Familienmütter" - das sind dann einfach nur Mütter. Na ja, so kann mensch endlos fortfahren...

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 22:56

Typen in der Sauna


Im Dampfbad: alle sitzen da und warten darauf, dass der Beutel mit den Kräutern gewechselt wird. Als die Mitarbeiterin hereinkommt, sagt ein älterer Typ: "Da kommt ja jetzt was Frisches...!" (anzügliches Grinsen). Die meisten finden das lustig. Ich kotze. Und weiß mal wieder nicht, welches eine gute Reaktion wäre.
Ich habe mich auch mal mit einer Mitarbeiterin, die im Gastrobereich der Sauna arbeitet, unterhalten: es ist unglaublich, was sich die Mitarbeiterinnen dort regelmäßig von Männern gefallen lassen müssen. Sie sollten, wie so viele andere, eine Sexismuszulage oder sowas in der Art bekommen! Ich würde das keine Stunde aushalten und allen permanent auf die Fresse hauen wollen.

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 20:37

Anonyma


Mein Freund wird von alles Seiten dafür bewundert und gelobt, dass er mir "so viel hilft im haushalt". Geht`s noch? Er hilft mir nicht, er übernimmt seinen Teil der anfallenden Arbeiten und das nicht mal komplett zu 50%.

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 19:10

Anonym


Die Kontaktanzeige am schwarzen Brett Leipzig mit folgendem Text:

Er sucht Sie

Du solltest beruflich nicht sonderlich erfolgreich, eher klein (um die 160 cm) und 10 Jahre jünger als ich = um die 25 Jahre alt sein. Das nur als äußere Parameter. Ansonsten schätze ich nachgiebige, warmherzige und intelligente Frauen. Du solltest lieber lesen als fernsehen und kein Problem damit haben, daß ich viel am Schreibtisch sitze.

Am liebsten würde ich den anschreiben und ihn fragen, ob es ihn echt wundert, dass er Single ist und Kontaktanzeigen schreiben muss, wenn er ein solches Frauen*bild hat und das seine Vorstellung von Zweisamkeit ist... ich könnte kotzen!

Eintrag als thematisch unpassend melden

13.04.2013 11:21

Anonym


Heute, Wien, 6 Uhr früh in der U6. Ich sitze neben einer Frau, ein Mann setzt sich auf die Sitzreihe neben uns. Er beginnt am Telefon über einen Türken zu schimpfen, auf rassistische Art. dann steht er auf, geht hinter uns und beginnt über Scheißwoame zu reden. Der Punkt, wo ich wütend aufgesprungen bin und in angeschrien und beschimpft habe war, als er am Telefon meinte, er filme die 'Scheißwoamen' jetzt - er hatte tatsächlich sein Handy auf uns gerichtet. die Frau, mit der ich unterwegs war mit der Situation überfordert - hat das wohl bisher nicht erleben müssen. wir sind dann ausgestiegen, er ist zwar in die gleiche Richtung gefahren, hat aber ein gutes Stück weg geblieben.

Ich wütend und verletzt. Es ist nicht schön, wenn man gezwungen ist im öffentlichen Raum nie ganz entspannt zu sein, weil man immer darauf achten muss, ob jemand blöd schaut, potentiell gefährlich sein könnte oder einen homophoben/sexistischen Übergriff starten könnte.

Wehrt euch! Steht auf, lasst euch den Hass nicht gefallen! Ihr kämpft nicht allein für eure Würde, sondern für alle Menschen, die von Homophobie betroffen sind!

Eintrag als thematisch unpassend melden

12.04.2013 22:09

Partnerin


Weshalb wird eigentlich so sehr dafür geworben, dass sich Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen sollten? Weshalb wird nicht genauso sehr dafür geworben, dass sich Jungen gegen den Erreger impfen lassen sollten, der im Übrigen auch Peniskrebs verursachen kann? Von dem Erreger (humane Papillomaviren) sind genauso viele Männer wie Frauen infiziert. Ist irgendwie logisch. Schließlich findet die Übertragung hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr statt. Allerdings verursachen die Erreger meist keine Beschwerden. Da die Viren aber besonders aggressiv gegen die Gebärmutterhalsschleimhäute wirken, verursachen sie sehr viel häufiger Gebärmutterhalskarzinome als Peniskarzinome.
Der Erfinder des Impfstoffes, Harald zur Hausen, forderte von Anfang an eine Impfung auch für Männer und zwar in erster Linie der Partnerin zuliebe. Aber das ist dann wohl doch zu viel von den Männern verlangt, dass sie sich für die Partnerin impfen lassen.
Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn beispielsweise HIV ausschließlich bei Männern Aids auslösen würde und es einen Impfstoff dagegen gäbe. Würde die Empfehlung zur Impfung dann auch nur für Männer ausgesprochen werden? Ich bezweifle es!

Eintrag als thematisch unpassend melden

12.04.2013 14:42

S.


Die Sendung Tietjen und Hirschhausen bezüglich der Pilotin Jana Hansen. Die gesamte Befragung war absolut sexistisch und unverschämt.

Die junge Pilotin wurde nur auf ihr Geschlecht reduziert und permanent angegriffen, wobei man die ganze Zeit so tat, als ob das alles witzig sei.

Unerträglich!

Eintrag als thematisch unpassend melden

12.04.2013 8:44

Anonym


Dass der aktuelle Fall in Kanada zeigt, wo sich ein junges Mädchen umgebracht hat, weil sie vergewaltigt und anschließend auch noch als Hure beschimpft und gemobbt wurde, dass auch die ach so fortschrittliche westliche Welt ein Frauenbild aus dem Mittelalter hat.

Eintrag als thematisch unpassend melden

12.04.2013 7:12

chi-tace-acconsente


Ich habe mir gerade den Spaß gegönnt, Amazon-Rezensionen zu "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir zu lesen. In einer der Rezensionen fand ich folgenden, sehr aufschlussreichen Satz:

"Immerhin wirkt das Buch im Vergleich zu vielen anderen Publikationen des Genres gelegentlich intellektuell. Ob's vielleicht an Sartre lag?"

Zur Erinnerung: Simone de Beauvoir lebte mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre in einer Beziehung.

Die Aussage des Rezensenten ist typisch für eine Einstellung, mit der ich immer wieder konfrontiert wurde. Wann immer eine Frau etwas erreicht, gerade auf intellektueller Ebene, und diese Frau eine Beziehung mit einem Mann (vorzugsweise aus einer ähnlichen Berufsrichtung) hat, wird ihr vorgehalten, ihre Leistungen seien eigentlich nicht ihre eigenen, sondern die ihres Beziehungspartners. Dies ist mir immer wieder im Studium passiert. Wann immer ich eine gute Leistung erbrachte, gab es eine Person (zu 99% männlichen Geschlechts), die eine Erklärung konstruierte, warum dies angeblich nicht meine eigene Leistung, sondern die Leistung eines Mannes war. Dies ging auch Kommilitoninnen von mir so, während umgekehrt niemand den Männern vorwarf, ihre Leistungen wären in Wirklichkeit die Leistungen von Frauen.

Übrigens reagierte mein damaliger Beziehungspartner auf solche Kommentare ebenso wie Sartre: Er stellte klar, dass die Behauptungen Unsinn waren.

Eintrag als thematisch unpassend melden

11.04.2013 17:19

Anna


Abgesehen von den vielen frauenfeindlich Sendungen, der Werbung und falsch geleiteten Diskussionen:
Die Mitschüler, die einen nicht die Mathehausaufgaben an die Tafel schreiben lassen, weil man ein Mädchen ist und diese deshalb sowieso falsch seien. Der Lehrer, der vor Kollegen meine Laufkunst auf hohen Schuhen bewunderte. Fotos, gemacht von einem Lehrer auf einer Klassenfahrt, von mir und meiner Freundin, die nie aufgetaucht sind. Der Lehrer der mich im Sportunterricht auforderte mit ihm Walzer zu tanzen. Der Lehrer der meine Freundin auf ihre große Oberweite vor der Klasse angesprochen hat.
Dass ich heute nicht mal einen Abend in Ruhe tanzen gehen kann, ohne dass man angefasst, bedrängt und schamlos angebaggert wird. Wenn ich dann sage, dass ich einen Freund habe, kommen nur Bemerkungen wie, dass dieser mich sowieso nur hintergehen würde und ich solle ihn vergessen. Sehr schamlos!
(Prinzipiell habe ich kein Problem damit, wenn man NETT auf ein Getränk eingeladen wird. Das kann man dann klären.) Ich merke immer mehr, dass ich unterbewusst sogar versuche mich entsprechend zu kleiden und mich so zu verhalten, dass ich diese Situationen vermeiden kann.
Leider gibt es noch viel mehr. Schlimm ist allerdings, dass die Sexismus-Debatte immer wieder in falsche Richtungen geleitet wird und man als verkappte Feministin dargestellt wird, wenn man sachlich diskutieren möchte!

Eintrag als thematisch unpassend melden

11.04.2013 15:02

Kuchenbäckerin


Ich backe selbst gerne und bringe damit eigentlich selten Männer in Verbindung - vielleicht, weil ich es kaum/nie erlebt habe, dass mal ein Mann in meiner Umgebung einen Kuchen gebacken hat? Aber obwohl ich im Alltag darauf achte, Sexismus zu vermeiden, führte diese Prägung zu einer mir recht peinlichen Begebenheit. Am Wochenende auf einem Kindergeburtstag gab es jede Menge leckeres Backwerk. Spontan wie selbstverständlich lobte ich die Mutter des Geburtstagskindes für die leckeren Kuchen. Ich wäre gar nicht darauf gekommen, dass Sie nicht gebacken hat - sondern der Vater, der etwas beschämt zu Boden schaute...

Eintrag als thematisch unpassend melden

11.04.2013 10:48

SWR3-Hörerin


Toll, was für Lieder auf SWR3 laufen: vor einer guten Stunde "Cro" mit "Easy". Ein Text, der vor Frauenverachtung nur so strotzt. Da krieg ich doch echt das Würgen!!!

Eintrag als thematisch unpassend melden

11.04.2013 10:19

Anonym


Erfahrungen:

Früher auf dem Weg zur Schule lief ich eine lange Zeit an einer Baustelle vorbei. Da wurde einem hinterher gepfiffen, gerufen und die Kerle fassten sich grinsend auch gerne demonstrativ an den Schritt, machten affige Geräusche dazu und watschelten breitbeinig posierend herum. Ich war damals 13.

Andere Szene aus der Schule damals: Ein paar Mädchen mussten sich vor einem Jungen in eine Reihe stellen wobei er Bewertungen über ihr Äusseres machte, also gewisse Punktzahlen und Ränge verteilte.

Mit 18 von einem alten Kerl nachts verfolgt der immer wieder versuchte mich neben dem Gehweg ins Gebüsch "zu lotsen", bis per Zufall ein Passant um die Ecke bog und mich unwissentlich rettete. Dabei war es noch nicht spät nachts und die Gegend war auch sorgsam als Route ausgewählt.

Da war auch mal ein Mann, der mir wegen einer Meinungsverschiedenheit die Faust ins Gesicht schlug. Als meine Faust dann eine Sekunde später seine Nase erwischte, blickte er ganz verdutzt mit den Worten: "Eine Frau wagt es MICH zu schlagen!?"

Ich sitze in der überfüllten Bahn und neben mir steht ein Mann, der sich während der Fahrt irgendwo am Sitz festhält. Das Abteil schwankt etwas und sein Schritt (zu mir gewandt) bewegt sich mit jedem Ruckler unheilvoll etwas näher an mich ran, und das etwa in Kopfhöhe. Nach links ausweichen geht nicht, da neben mir noch eine Frau sitzt.
Irgendwann spür ich die Berührung an der Schulter, nur ganz leicht und mich überkommt Ekel. Das Abteil schwankt weiter und sein Teil unter der Hose stupst mich fast ununterbrochen von der Seite an. Und es wird immer penetranter. Ich seh kurz zur Seite und merke, dass er immer wieder etwas in die Knie geht oder die Hüften kreist... Der Kerl reibt sich doch tatsächlich an mir! Zum Glück konnte ich just im Moment der Erkenntnis noch rechtzeitig aussteigen - fluchtartig und abgrundtief angewiedert!

Wieder etwas in der Zeit zurück: Freundin und ich sitzen in einem kleinen Restaurant. Damals 15 Jahre alt. Zwei Kerle um die 30 setzen sich zu uns an den Tisch, reden ein bisschen und holen eine Plastiktüte unter der Jacke hervor. In der Tüte befindet sich eine Flasche starken Alkohols und eine Körper Lotion zum eincremen. Im Flüsterton verkünden sie:"Na, wollt ihr mit rauf? Oben hat's Zimmer mit einem Fernseher wo man sich toll amüsieren kann und wir könnten uns ja gegenseitig etwas massieren."
Natürlich sind wir gleich abgehauen.

Eines Abends im Pub mit Bekannten und einem Neuling: Der Neue fragt mich ob ich gerne ein Bier hätte, er würde grosszügig der ganzen Runde was spendieren. Alle freuen sich und nehmen an.
Später vor der Toilette werd ich abgefangen, an die Wand gedrängt und beinahe geküsst, kann aber rechtzeitig abblocken und bin auch nicht schlecht entsetzt.
Er dagegen flippt völlig aus mit Begründung:"Du dumme Kuh! Ich hab dir doch nen Drink spendiert, was willst du denn noch!? Wer ersetzt mir nun das rausgeschmissene Geld!?"

Auch hatte ich mal Probleme mit meinem Boss, der gerne mal nen Kommentar fallen liess und mir auch mal kräftig auf den Po klopfte. Als ich nicht mitmachen wollte, wurde die Arbeit beinahe unerträglich und das Leben wurd mir schwer gemacht. Darüber hinaus hat er mich auch bei seinem Vorgesetzten angeschwärzt und der Job war irgendwann Futsch.

Desweiteren wurde ich als Teenager auch manchmal spontan von irgendwelchen Leuten gefragt, ob ich denn ein "Blase-Hase" sei. Wies man diese Kerle ab, war man kurze Zeit später als "Hure" bekannt die es schon mit 200 Männern und 3 Kamelen trieb. Natürlich auch dann, wenn man zu diesem Zeitpunkt noch Jungfrau war...
Egal, gebrandmarkt war man schliesslich wie ein Kalb.

Was mich auch nervt:

-Leute die sagen es gäbe kein Problem (mehr)
-Aussagen wie "ach, Frauen sollen putzen. Sie sollen doch stolz auf ihre Weiblichkeit sein." Was hat denn bitte meine Weiblichkeit mit schmutzigem Geschirr am Hut?
-diese fehlgeleiteten Antifeministen (aka Hobby-Verschwörungstheoretiker)
-Typische Anmachen auf offener Strasse, Luftküsse und sonstiges Bruftgeröhre
-schlecht informierte Besserwisser und Heuchler
-Frauen die Sexismus noch fördern indem sie zBsp bei Witzen dümmlich mitlachen oder sich treudoof beleidigen und degradieren lassen.

Was im Moment am schwersten ist:

1. Wenn sich auf deiner Strassenseite eine Gruppe junger Männer aufhält. Es gibt kaum was unangenehmeres, ausser man wechselt die Strassenseite was dann wiederum auffällig ist und unter Umständen erst recht Sprüche etc provoziert. Nein, da geh ich mittendurch, fadengrade. Aber ich halt die Luft an. Es ist wie wenn man sich einen Horrorfilm ansieht und weiss, dass jeden Moment der Killer hinter der Tür hervorspringt. Man hält also die Luft an und zählt den Countdown. "Jede Sekunde... Gleich passierts... "
Währenddessen hat man sich der Gruppe genähert, die Kerle werden stumm, drehen sich um. "Gleich kommt was... Uff, wieso hab ich nicht Kopfhöhrer an, dann könnt ich wenigstens so tun als würd ich nix mitbekommen". Ich bin jetzt in dieser Sekunde mitten in der Gruppe, schaue stur geradeaus und wappne mich innerlich gegen Grabsch Attacken.
Doch ich habs geschafft. Unversehrt hindurch gelangt. Der Kopf wird wieder kühler und ich atme endlich aus. Aber genau dann.. kommt doch noch was. Es geht wohl nicht ohne. Irgend ein Spruch, Gelächter. Und schon schauen mich die Passanten an als wär ich vom Mars.

2. Ich sitze im Pub in einer Männerrunde wo hitzig über etwas debattiert wird. Ein interessantes Thema und ich kenn mich aus, also versuch ich mich einzufügen. Fünf mal werd ich überhört. Beim 6. Mal brülle ich den Anfang des Satzes beinahe durch die halbe Kneipe bis wer zuhört. Die Runde dreht sich in meine Richtung. Ich beginne mit meiner Argumentation, doch 3 Worte später hat schon wieder einer lauter gesprochen und die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. (Ich liebe es wenn man mich unterbricht). Ein einziger hört noch zu, dankbar widme ich mich also meinem Publikum. Doch der Erfolg währt nur kurz denn mein Zuhörer hat sich einem andern zugewandt der sensationell einen Salzcracker auf der Nase balanciert. Muss ich wohl die Klappe halten.
Ich gehe auf die Toilette und bei meiner Rückkehr wage ich ein Experiment:
Wie ein Gockel lauf ich zum Tisch, grunze den Nachbarn laut an der sofort Platz macht. Breitbeinig setz ich mich auf die Bank, strecke Beine und Arme aus soweit es nur geht und beanspruche einfach unglaublich viel Platz. Ich schnapp mir unverschämt das Bier meines Nachbarn, nehme einen grossen Schluck und knalle das Glas geräuschvoll auf den Tisch. Alle drehen sich um. Ich kratz mir den Rücken während man mich anstarrt und tue so als würde mich die Gruppe im Allgemeinen überhaupt nicht interessieren.
Und es ist unfassbar: Jemand fragt mich plötzlich nach meiner Meinung bezüglich der Diskussion von vorhin. Den Rest des Abends habe ich also mitgeredet während ich immer wieder deutlich mein Revier markierte und einfach laut war. Und es hat funktioniert.
Doch zu welchem Preis? Muss man sich so sehr anpassen bis man selbst zum Mann wird? Die Alternative sieht nicht unbedingt rosig aus.
Na gut. Ich bleibe dennoch ich selbst und muss nun einfach hoffen, dass irgendwann noch etwas bewirkt werden kann.

Eintrag als thematisch unpassend melden

 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 

Links

Ressourcen